IBE
print

Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Vortrag: "Homo Statisticus: Evidenzbasierte Entscheidungen benötigen medizinische Risikokompetenz"

Das Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE) lädt in seiner öffentlichen Veranstaltungsreihe „Münchner Public Health“ zu einem Gastvortrag von Priv.-Doz. Dr. Odette Wegwarth, Max Planck Institute for Human Development, Center for Adaptive Rationality, am Freitag, 24.April 2020, um 17 Uhr im Senatssaal (LMU Hauptgebäude, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München) ein.

14.02.2020

Eine evidenzbasierte Gesundheitsversorgung braucht risikokompetente Ärzte und Patienten. Unser derzeitiges Gesundheitssystem hat beides nicht. Studien zeigen, dass viele Ärzte durch Framing-Effekte basierend auf relativen im Vergleich zu absoluten Risiken irregeführt werden, den positiven Vorhersagewert von Tests nicht richtig berechnen können, oder Krebsfrüherkennungs-Statistiken nicht richtig verstehen. Bei Patienten steht es nicht besser. Die Folge dieser kollektiven Risikoinkompetenz ist ein teilweise ineffizientes Gesundheitssystem, in dem Patienten nach unnötigen Testungen und Behandlungen verlangen und Ärzte diese verordnen. Warum haben wir diesen Mangel an Risikokompetenz? Eine häufig diskutierte Annahme ist, dass Menschen von Natur kognitive Einschränkungen aufweisen, die einen informierten Umgang mit Risiken erschweren. Die Tatsache jedoch, dass selbst Viertklässler den positiven Vorhersagewert verstehen können, wenn die dafür notwendigen Informationen als natürliche Häufigkeiten präsentiert werden, verdeutlicht, dass das Problem eher darin zu suchen ist, wie statistische Informationen dargestellt und vermittelt werden. Was kann gegen den Mangel an Risikokompetenz getan werden? Simple Techniken der Risikokommunikation können Ärzte und Patienten dabei unterstützen, medizinische Statistik leicht und richtig zu verstehen. Diese Techniken haben gezeigt, dass sie einen relevanten Teil der statistischen Verwirrung eliminieren und damit zu informierten Entscheidungen beitragen. Eine kritische Masse informierter Ärzte und Patienten wird nicht die Gesamtheit der Probleme unseres Gesundheitssystems lösen, aber sie kann der auslösende Faktor für eine bessere Gesundheitsversorgung und damit für weniger unerwünschte Variation in der medizinischen Versorgung sein.