Leukämie: Soziale Ungleichheit prägt Sterblichkeit bei Kindern in Brasilien
Eine internationale Studie unter Beteiligung des IBEs zeigt deutliche regionale Unterschiede bei der Sterblichkeit von Kindern mit lymphatischer Leukämie in Brasilien
22.07.2026
Warum haben Kinder mit lymphatischen Leukämien in Brasilien je nach Region unterschiedlich hohe Überlebenschancen? Forschende vom Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE) der LMU München und der Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ) haben in einer gemeinsamen Studie die Entwicklung der Sterblichkeit an lymphatischen Leukämien bei Kindern in Brasilien über mehr als zwei Jahrzehnte untersucht und analysiert, wie regionale Entwicklungs- und Versorgungsstrukturen mit den beobachteten Unterschieden zusammenhängen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin The Lancet Regional Health – Americas veröffentlicht.
Die Analyse zeigt, dass die Sterblichkeit insbesondere in den sozioökonomisch benachteiligten Regionen Nord- und Nordostbrasiliens zugenommen hat, während sie in wohlhabenderen Regionen stabil blieb oder zurückging. Verbesserungen der Primärversorgung allein reichen laut den Forschenden nicht aus, um diese regionalen Unterschiede auszugleichen. Erforderlich sind vielmehr gezielte, regional angepasste Strategien zur Stärkung der spezialisierten pädiatrisch-onkologischen Versorgung sowie zur Verbesserung des Zugangs zu einer frühzeitigen spezialisierten Diagnostik und einer zeitnahen Behandlung.
„Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass soziale Ungleichheiten die Überlebenschancen von Kindern mit Leukämie nachhaltig beeinflussen. Um die Überlebenschancen von Kindern mit Leukämie in allen Regionen nachhaltig zu verbessern, müssen insbesondere strukturelle Barrieren beim Zugang zu einer hochwertigen Krebsversorgung abgebaut werden“, sagt Erstautorin Bárbara Sarni Sanches.
„Die Stärke der Studie liegt in der Verknüpfung von Längsschnittdaten zur Leukämiesterblichkeit mit komplexen sozioökonomischen und gesundheitsbezogenen Informationen. Mit entsprechenden biostatistischen Verfahren konnten wir diese Informationen zu zwei aussagekräftigen Indizes zusammenführen, ihren Einfluss auf die Sterblichkeit modellieren und den Zusammenhang mit regionalen Unterschieden in der Mortalitätsentwicklung untersuchen“, sagt Privatdozentin Dr. Ursula Berger vom IBE.
Prof. Dr. Marcelo Gerardin Poirot Land von der Medizinischen Fakultät der UFRJ betont, dass die Ergebnisse wichtige Evidenz für die Planung von Maßnahmen zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheiten liefern. Zugleich verdeutlicht die Studie die Bedeutung internationaler wissenschaftlicher Kooperationen und Forschungsnetzwerke für die Bearbeitung komplexer Fragestellungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Die Kooperation zwischen UFRJ und der LMU bringt Expertise aus Epidemiologie, Biostatistik und Public Health zusammen und schafft die Grundlage für innovative Analysen der Faktoren, die die Sterblichkeit an lymphatischen Leukämien bei Kindern in Brasilien beeinflussen.
Sanches BS, Oliveira IL, Botelho CDE, Duarte NL, Berger U, Land MGP: Spatiotemporal analysis and socioeconomic determinants of pediatric lymphoid leukemias mortality in Brazil from 2000 to 2021: an ecological study. The Lancet Regional Health – Americas, 2026; 62.
DOI: 10.1016/j.lana.2026.101557